Sonntag, 25. Mai 2008

Kultur mit Kind und Mann

Tagesspiegel von heute:
"Eine milde, herrliche Abendsonne. Die ersten Klänge von Beethovens Viertem Klavierkonzert in der Arena der Waldbühne - und eine großartige Stimmung. Das Open-Air-Konzert der Berliner Philharmoniker nach dem Brand in ihrer Stammspielstätte war ein klassischer 'Dabei gewesen sein ist alles - Abend'".

Dabeisein wollte ich auch, denn noch immer klingt in mir ein Abbado-Mahler-Konzert in der Waldbühne vor über zwanzig Jahren, als man noch mit Damasttischdecken und Silberkandelabern anreisen durfte. Diesmal hatte ich statt mit Ergriffenheit mit einer gelangweilten Sechsjährigen auf meinem Schoß zu ringen, die wir mitgenommen hatten, weil 400 singende Kinder beteiligt waren, von denen sie eins kannte.

"18ooo Besucher hörten sich Beethovens Pianowerk und nach der Pause das "Te Deum" von Hector Berlioz an"

Eigentlich müßte es in dem Artikel nun weiter heißen: "An der stillsten Stelle des Te Deums erklang in Block K plötzlich ein auf markerschütternde Lautstärke gestellter Handykreischsong, woraufhin abertausende überwiegend betagte Besucher zusammenschraken und sich in Lynchabsicht dem Verursacher zuwandten. Dem schuldbewußt dreinschauenden Handybesitzer gelang es nach einigem Herumfingern in seiner Anglerjacke den Ton abzustellen. Er versicherte ringsherum eilfertig, er könne sich das auch nicht erklären, es handele sich nur um einen selbst programmierten Erinnerungsruf, der ihn an just in dem Moment im Fernsehen beginnenden Fußball erinnern solle."
Ja, kein Witz. Mein Mann, der in unserem Haushalt mit Ausnahme des Fernsehers kein technisches Gerät höherer Ordnung bedienen kann, schafft es, sein Handy auf Weckrufe für EM-Testspiele zu programmieren, die dann seiner kulturbeflissenen Ehefrau inmitten 18000 anderer Kulturbeflissener vorführen, wie sehr er sich gerade aufopfert.

Für eine Stellungnahme zu diesem Beitrag war Monsieur übrigens vor Redationsschluß nicht erreichbar. Er hat vor 9 Stunden das Haus verlassen, um "ein Stündchen" Angeln zu gehen.
Ich kann ja sicher sein, daß er zu EM wieder da ist.

Kleine Entschädigung für alle, die um uns herum saßen: Te Deum mit Abbado ohne Handy gibt es hier

Nachtrag: Soeben ist der passionierte Fliegenfischer (nicht "Angler"), wieder eingetroffen. (Ohne Fisch). Sein einziger Kommentar zu diesem Blogeintrag: "Das war für das französische Pokalfinale, Lyon - PSG, nicht für die EM".

Mittwoch, 21. Mai 2008

Blütenschnee

Hier vor dem Haus schneit es Kastanienblüten, alles ist weiß. Es gibt da wo die Autos fahren sogar Schneematsch. Ich kann gar nicht so schnell malen wie um mich herum alles verblüht. Dabei muß man sich mit einer Pflanze lange befassen, bevor man ihre Eigenheiten begriffen hat. Zum Beispiel die Facetten einer einzigen Kastanienblüte entdecken:

Wie es in Japan wohl aussieht, wenn es Blüten regnet? Ein bißchen Japan gibt es in zwei Wochen im "Luftraum" zu erleben, in der schönen Villa beim Nollendorfplatz, in der ich letztes Jahr meine Ausstellung hatte.



Freitag, 16. Mai 2008

Muster

Nicht nur das Skizzenbuch meiner Großmutter gibt es noch, auch Schränke voller Bücher aus dem letzten Jahrhundert. Ich liebe diese Bucheinbände:



Die Bücher stammen zum Teil aus den fünfziger Jahren (Insel-Verlag), zum Teil aus den zwanziger Jahren. Wenn ich die Muster sehe, möchte ich gleich wieder mit der Buntpapierherstellung experimentieren.

Und, dem web 2.0 sei es gedankt, hier habe ich einen Schweden gefunden, der Bücher mit solchen Einbänden sammelt.

Ganz herkömmlich in einer Bibliothek konnte ich dieses Buch "Bucheinbände und Schutzumschläge Berliner Verlage 1919 - 1933" durchsehen, wunderbar! Eine tolle Inspirationsquelle.

I really like these bookcovers from the 20s and 50s of the last century.

Montag, 12. Mai 2008

Pfingsten in der Heimat

Unter norddeutschem Himmel an der Weser, Heimat für immer, auch wenn ich inzwischen den größeren Teil meines Lebens nicht mehr hier lebe.

Wie soll es bei einem Elternhaus von 1798 auch anders sein?



Und die Spuren der Vorfahren sind noch lange nicht getilgt, die alte Zeit liegt noch in der Luft. Vielleicht hat die Großmutter mir beim Blick in ihr Skizzenbuch über die Schulter geschaut:


Sie war 1921 im Mädchenpensionat in Gera, hat dort gezeichnet.


Und sie hat genau wie ich geübt, die Form der Bäume zu erfassen. Zwei Skizzblöcke, fast ein Jahrhundert trennen sie, aber die Geschichte geht weiter. Ob sie es weiß?



Homecoming, a few days at my parent's house in the north of Germany. I compared my drawings with my grandmother's from the 1920's.

Dienstag, 6. Mai 2008

Zweifelhaften Basteltechniken die Ehre geben


Was ist das für ein bunter Stoff da oben? Ja, das ist die Servietten-technik. Wenn Monsieur Matisse wüßte, daß seine Scherenschnitte uns DAZU animiert haben, ach der Arme. Aber Monsieur, ich kann ihnen sagen, mit Kindern ist nichts anderes möglich. Kein ernsthaftes Arbeiten, kein Versinken im Atelier. Dafür machen Kinder tolle Sachen, auch aus Papier.


(Die Schnittchen sind vom Papa beigesteuert. Doch, ein Franzose kann sich dem deutschen Abendbrot annähern. )


Und sie bringen im Skizzblock der Mutter die Vergißmeinicht auf den Punkt, während die sich wieder dem Nähen von Kleinigkeiten zuwendet. Die fünfblättrige Blüte in Blau taucht zumindest wieder auf, und so ein Nadelkissen hat auch etwas von einer Skulptur.


Kann man das Lesen? Dort steht: "Das sind Fagis Malnich". Mal nich? Mal nich malen? Im Moment ist es wohl so. Dafür waschen, zum Beispiel diesen Serviettentechnik-Stoff. Laut Anleitung soll er bei 40 Grad waschbar sein. Das würde ungeahnte Möglichkeiten selbstgestalteter Stoffe eröffnen! Ich werde berichten.

Collage on cotton using paper napkins. Still need to try out washing.

Sonntag, 4. Mai 2008

Französisches Landschloß?

Egal wohin man sich in Berlin wendet, man findet immer wieder eine eigene kleine Welt. Hier das Liebermann-Haus am Wannsee - der perfekte kleine Ausflug für heute.

The house where the German painter Max Liebermann lived - a perfect spot for a sunday afternoon. Unfortunately he is little known outside of Germany.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Mai ist da

Vorsichtige Annäherung an ein schwieriges Thema: Vergißmeinicht



Dieses Blau, das hier überall in den Gärten ringsum leuchtet, wie soll ich es bloß hinbekommen. Und wenn ich mich nicht beeile, sind sie verblüht.

Wenn ich in meinem Umfeld erzähle, daß ich jetzt einen Blog habe, muß ich meist erst einmal erklären, was das überhaupt ist. Mir ist nicht ganz klar, wieso Blogs in Deutschland noch so wenig verbreitet sind. In der Zeit von gestern blieb diese Frage in einem Interview übers Bloggen auch offen. In Frankreich scheint es dagegen ein riesiges Interesse an Blogs zu geben. Dieser Artikel der IHT führt den Erfolg auf nationale Eigenschaften der Franzosen zurück. Zitate aus dem Artikel: "It is clear that in France we have very large egos and love to speak about ourselves" - "If you look at Germans or Scandinavians - off- line and on the Internet - they really don't talk about themselves." Ja, da mag was dran sein.

No one I know blogs. Why are blogs not a big thing in Germany - any suggestions?

Montag, 28. April 2008

Kunst oder Dekoration?

Aufräumen im Atelier: Das letzte Bild aus dem letzten Jahr.


Die kleine Pause habe ich auch zum Überlegen genutzt. Schadet es, wenn ich hier auch über meine Malerei schreiben? Kunst soll doch nicht dekorativ sein und schon gar nicht in die Nähe von Kunsthandwerk geraten. Arts und Crafts don't mix, jedenfalls nicht hier und heute.

Mal wieder rettet mich das Nachlesen bei den ganz Großen, diesmal bei Matisse mit seinem Hang zum Dekorativen. Gegen Ende seines Lebens, in seiner Phase der papiers découpés, der Scherenschnitte, fertigte er seine Muster auch für Tapeten, Halstücher, Bucheinbände, Keramik. Er nannte diese Entwürfe ausdrücklich dekorative Arbeiten, die parallel zu seinen Ölgemälden enstanden. Er sah aber - nicht ganz grundlos - die Gefahr, mit diesen Arbeiten aus der Kunstwelt ausgeschlossen zu werden. Über seine Zweifel hat er sich selbstbewußt hinweggesetzt und begeistert an seinen Scherenschnitten gearbeitet: "Endlich bin ich nicht mehr fähig zu malen!"

Na, soweit ist es hier noch nicht. Aber solche Worte können doch ermutigen, zum eigenen Stil zu stehen.

Donnerstag, 24. April 2008

Pause für Real Life

Nun muß ich mir mal eine Internetpause verordnen. Ich habe schon wieder so viele tolle Sachen gesehen, die ich probieren möchte - wenn ich noch länger gucke, mache ich selbst nichts mehr. Für unseren schönen Cream Tea heute nachmittag war das Netz aber noch nötig. Das Sconesrezept habe ich hier gefunden (und bin dabei gleich in die Welt der Foodblogs abgetrieben, sehr witzig zum Beispiel hier, habe ich auch schon so erlebt). Statt clotted cream hatten wir Mascarpone - ging sehr gut.




I need to get away from bloglife for a few days. I start to scan real life for things I could blog about, and I get really lost while surfing - not good for productivity.

Mittwoch, 23. April 2008

Es hat geklappt

Die Blogwelt hat mich aus meinem Kreativloch geholt und der "Creative Flow" hat nun aufs Malen übergegriffen, ein Glück. Das strahlende Wetter schiebt alle Selbstzweifel weg. Vielleicht schaffe ich eine Serie "Alle Blumen aus meinem Garten".

Tulpen und Mondviole


Birnenblüte

I haven't touched a paintbrush for almost a year now, but finally the creative flow has brought me back to painting. The weather is perfect right now, and the flowers outside are so tempting.

Dienstag, 22. April 2008

Hier schreit nur einer


und das ist der auf P's Zeichnung von gestern. Als ob sie geahnt hätte, daß wir zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden Mäusebesuch haben würden.



The cat keeps mice in our house, so he always has something to play with.

Sonntag, 20. April 2008

Tag und Nacht

...habe ich doch tatsächlich an diesem Lätzchen gearbeitet. Es soll als Geschenk nach Frankreich gehen - und nun ist dieser Piggy-Ritter vielleicht doch ein bißchen zu bescheuert geworden.


Die mir anvertrauten Kinder mußten sich währenddessen von Müsli ernähren. Zum Glück kamen Retter: Von Männern gefangen und zubereitet, welch ein Genuß.

Freitag, 18. April 2008

Fluch der Mütter?

Gestern war nix mit Tischsets, sondern Elternabend. Ich hatte Lust meinen Eintrag von gestern wieder zu löschen, denn im Saal saßen 99 % Frauen - nicht zu fassen. Wo sind die Väter? Später trafen wir uns dann aber noch im kleineren Kreis und ich freute mich über die starken Frauen - mir fiel dieser Artikel im Tagesspiegel wieder ein: ''Stereotype Geschlechterbilder schaden''. Nicht den Mädchen, nein, den Jungen. Sie werden inzwischen Opfer ihrer Privelegierungen. Zitat: "Die postmoderne Gesellschaft zeichnet sich durch eine hohe kulturelle Diversität und eine hohe soziale Komplexität aus. Frauen scheinen auf diese neue Situation viel besser vorbereitet zu sein. Insofern ist die Bedrängnis, in die Jungen und Männer geraten, das Ergebnis sozialer und wirtschaftlicher Wandlungsprozesse. Diese haben Männer selbst gestaltet, jetzt erweisen sie sich für sie als Bumerang." Mir solls recht sein, überlaßt uns nur den Elternabend. (Unser Mann hier war übrigens ganz geschlechtsstereotyp lieber beim Angeln).

Nun wieder zum Wesentlichen: Einige Prototypen für Tatütas (Taschentüchertaschen)

Some covers for tissue paper.



Donnerstag, 17. April 2008

Fluch der kreativen Mutter

This morning my daughter finally accepted the self-made hat, but only after I had taken off any fancy application. She is not crazy about the barrettes. And I noticed that although I had made her a nice family for her dollhouse she continues playing with the ones bought at Ikea. So I thought that maybe sometimes a creative mother can be sort of a curse. I did a google search on this and I got drifted away, which I will talk about in German. It is mostly about how in Germany speaking about the joys of being a mother is a modern taboo.

Bei meiner Google-Suche habe ich zwar zu "Fluch der kreativen Mutter" nichts gefunden, dafür diese Buchbesprechung in der Zeit von Barbara Sichtermann. Es geht um "den Umstand oder den Skandal, dass die Lust, Mutter zu sein, ein Tabuthema ist." So habe ich durch Zufall gleich einen ganzen Themenstrang gefunden, in dem endlich einmal ausgesprochen wird, daß es zur Zeit bei uns kaum möglich ist, in der Rollenfrage zu relativieren. (Iris Radisch auch in der Zeit: Vollzeitmütter und berufstätige Mütter führen einen Kampf um das beste Lebensmodell). Bin ich froh, mit meinem unguten Gefühl über die derzeitige Polarisierung an so prominenter Stelle Zuflucht zu finden. Werde mich gestärkt und lustvoll ins Familienleben stürzen und hoch erhobenen Hauptes ein paar Tischsets nähen.